Tag Archives: Schreibzentrum

Eichhörnchen, Abenteurer oder Mehrversionenschreiber?

22 Jan

Stephanie Dreyfürst

Jeder, der in irgendeiner Form mit Schreiben, und vor allem mit dem Schreiben wissenschaftlicher Texte zu tun hat, kennt die guten Ratschläge anderer: Zuerst muss man eine Unmenge an Literatur lesen, heißt es da oft, danach eine ausgearbeitete Gliederung erstellen und dann den Text von vorne nach hinten in einem Rutsch herunterschreiben. Möglichst perfekt und ohne große Änderungen.

Das ist natürlich kompletter Unsinn. Aber leider als Ratschlag kaum tot zu kriegen. Wir am Schreibzentrum sind in individuellen Schreibberatungen oft mit diesen stereotypen (und wenig hilfreichen) Vorstellungen konfrontiert, die Ratsuchende mit zu uns bringen. Sei es, dass sie diese Annahmen über das Schreiben noch aus der Schule mitbringen, sei es, dass Lehrende oder andere Studierende die Mär weiterverbreiten, wie gute akademische Texte angeblich entstehen (müssen)…Tatsache ist jedenfalls, dass nur die allerwenigsten Studierenden (und Dozent*innen) wissen, dass der Prozess des Schreibens, der irgendwann zu einem fertigen Text führt, hochgradig individuell ist und keinesfalls einem einzigen vorgefertigten ‚Rezept‘ folgt.

Schreibstratgeien_1

Die eine schreibt am besten, wenn sie die Fachliteratur erst einmal komplett ignoriert und sich einsam an ihrem Laptop ihre eigenen Gedanken zum Thema macht. Dem anderen kommen die besten Ideen und Argumente immer dann, wenn er sich selbst mit dem Handy aufnimmt. Wieder eine andere braucht einen riesigen Zettel und einen Filzstift, um sich räumlich die Struktur ihres Textes aufzumalen, bevor sie anfangen kann. Aus dem Beratungsalltag und aus unseren Workshops wissen wir, das im Grunde jede*r seine*ihre eigene Herangehensweise an das Schreiben hat. In der Schreibdidaktik nennen wir diese Herangehensweisen auch Strategien.

So lange diese Strategien zum gewünschten Ergebnis (einem fertigen und akzeptablen Text) führen und die Schreibenden sich in ihrem Schreibprozess wohl fühlen, ist auch überhaupt nichts gegen die jeweilige Herangehensweise zu sagen. Aber es muss nicht erst zu einer Schreibhemmung oder gar Schreibblockade kommen, um zu erkennen, dass es manchmal sehr nützlich sein kann, etwas Neues auszuprobieren. Mehr Auswahlmöglichkeiten zu haben. Die Perspektive zu wechseln.

Der Ansatz, Schreiben mit Hilfe unterschiedlicher Schreibstrategien zu erklären und anzuleiten, stammt ursprünglich von Hanspeter Ortner (Schreiben und Denken, 2000). In unserem Band, den wir 2014 zum Thema „Schreiben. Grundlagentexte zur Theorie, Didaktik und Beratung“ herausgegeben haben, findet sich eine hilfreiche Zusammenfassung von Ortners umfangreicher Studie (vgl. ebd. Sennewald: 169-192).

Nach Ortner definieren sich Schreibstrategien als „erprobte und bewährte Verfahren der Bewältigung spezifischer Schreibanlässe und potentiellen Schreibschwierigkeiten in spezifischen Schreibsituationen.“ (Ortner 2000: 351)

Grundsätzlich lassen sich nach Ortners Ansatz zwei verschiedene Verfahren unterscheiden: Das zerlegende und das nicht-zerlegende Schreiben. Aus der Vielzahl der verschiedenen Unterarten dieser beiden Verfahren haben wir in unserem Erklärfilm vier herausgegriffen, die für viele Schreibende typisch sind:

Die Eichhörnchen-Strategie, die Abenteurer-Strategie, die Planer-Strategie oder die Mehrversionen-Strategie. 

Schreibstratgeien_2

Was es genau mit diesen Strategien auf sich hat, kann man in unserem sechsminütigen Erklärfilm lernen. Unsere ehemalige Peer Tutorin Birte Svea Philippi (geb. Metzdorf) hat in Kooperation mit einigen Peer Tutor*innen des Schreibzentrums die unterschiedlichen Schreibstrategien visualisiert und zu einem kompakten Film werden lassen.

Den Film „Was sind Schreibstrategien?“ gibt es auf dem YouTube-Kanal des Schreibzentrums der Frankfurter Goethe-Universität zu sehen.

Der Film ist Teil unseres Online-Schreibzentrums, das sich gerade in Planung befindet.

Schreibwoche / Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten 2013

1 Mrz

Schreibwoche

Wo? Campus Westend, IG-Farben-Hauptgebäude, Bibliothekszentrum Geisteswissenschaften, Q1

Für die lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten am 7. März 2013 melden Sie sich bitte mit Namen und Matrikelnummer unter katinalinguri@stud.uni-frankfurt.de an. Für sämtliche Workshops (04.-07. März) müssen Sie sich NICHT anmelden. Kommen Sie einfach vorbei!

Montag (4. März), Dienstag (5. März) und Mittwoch (6. März) | täglich um 16h im Bibliotheksraum Q1, 6.115

  • Einschreibübung
  • Individuelle Arbeit an Schreibarbeiten
  • Studentische Schreibberatung

Kurzworkshops (Räume auch an der Infotheke der Bibliothek, Q1, 3. Stock)

  • Montag (4. März | 16-17h): Citavi-Literaturverwaltungsprogramm (Leonardo Dalessandro), IG-Hochhaus – IG 3.201 (Seminarraum)
  • Dienstag (5. März | 16-17h): Layout mit Word (Sascha Dieter), IG-Hochhaus – IG 3.201 (Seminarraum)
  • Mittwoch (6. März | 16-17h): Zeitmanagement (Katina Linguri und Lisa Stehr), IG-Hochhaus – IG 3.201 (Seminarraum)

ln_plakat

Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten

Wo? Campus Westend, IG-Farben-Hauptgebäude, Bibliothekszentrum Geisteswissenschaften, Q1, 3. Stock

Wann? 7. März, ab 20h bis zum Morgengrauen

Für die lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten am 7. März 2013 melden Sie sich bitte mit Namen und Matrikelnummer unter katinalinguri@stud.uni-frankfurt.de an.

Workshops am 7. März

  • 21 Uhr: Recherchieren in den Geisteswissenschaften (Tine Lenger)
  • 21 Uhr: Recherchieren in den Geisteswissenschaften (N.N.)
  • 21 Uhr: Word & Zitieren (Mirjam Steinebach, Sascha Dieter)
  • 24 Uhr: Schreibtisch-Yoga (Mirjam Steinebach, Viola Goldschmidt)

Der akademische „Schreibmonat“ am Frankfurter Schreibzentrum

4 Jul

von Stephanie Dreyfürst

Immer wieder hören wir von Studierenden, aber auch von KollegInnen an der Universität, dass ihnen die Zeit oder Motivation fehlt, gleichmäßig über einen längeren Zeitraum hinweg an größeren Schreibaufgaben zu arbeiten. Ob eine umfangreichere Hausarbeit, Dissertation, ein Artikel für eine Fachzeitschrift oder auch ein Roman, vielen fehlt im Alltag die Gelegenheit, geeignete Rituale und Schreibroutinen zu entwickeln, mit denen man größere Textmengen produzieren und anschließend auch überarbeiten kann. Wer sich jedoch allein mit einer unüberwindlich erscheinenden Schreibaufgabe konfrontiert sieht, dem kann leicht alle Lust auf das Schreiben vergehen. Oder sie/er plagt sich mit einem schlechten Gewissen und entwickelt den Wunsch, etwas am eigenen Schreibverhalten ändern zu wollen.

Vor diesem Hintergrund haben meine Kollegin Nadja Sennewald und ich beschlossen, dem guten Beispiel vieler amerikanischer und auch einiger deutscher Schreibzentren zu folgen und einen ganzen Monat im Jahr zum Schreibmonat zu erklären.

In den USA wurden im so genannten NaNoWriMo, dem National Novel Writing Month, zunächst v.a. kreative Schreibprojekte außerhalb universitärer Kontexte gefördert. Im Laufe der Zeit wurden jedoch auch Colleges und Publikationsorgane wie PhD2Published oder The Chronicle of Higher Education auf die Möglichkeiten aufmerksam, die ein solcher Schreibmonat für das akademische Schreiben eröffnet; seit November 2011 können sich Schreibende im Rahmen des Academic Writing Months (AcWriMo) eine gewisse Anzahl von Textseiten oder Wörtern als Ziel setzen, das sie innerhalb von vier Wochen erreichen wollen.

Im kommenden November also wird es für alle Interessierten am Schreibzentrum der Goethe-Universität verschiedene Angebote während des ersten Frankfurter Schreibmonats geben, was – so unsere Hoffnung – dazu beitragen wird, die jeweilige Schreibaufgabe erfolgreich anzugehen und abzuschließen.

Calendarium Perpetuum (Quelle: Wikipedia)

Calendarium perpetuum (Quelle: Wikipedia)

Angelehnt an die Regeln des akademischen Schreibmonats sollen die TeilnehmerInnen folgende ‚Regeln‘ befolgen:

  • Entscheiden Sie sich für eine bestimmte Anzahl von Wörtern, die Sie während des Schreibmonats bzw. an den Tagen, die Sie an Ihrem Projekt arbeiten, schreiben wollen
  • Erklären Sie öffentlich, dass Sie am Schreibmonat teilnehmen möchten; die entsprechende Plattform, auf der Sie dies (anonym) tun können, wird rechtzeitig bekannt gegeben
  • Entwickeln Sie schriftlich eine Strategie bzw. stellen Sie einen Plan für sich auf, wie Sie Ihr Ziel erreichen wollen (auch hier können Sie sich Unterstützung von uns holen, wenn Sie das möchten)
  • Teilen Sie Ihren Schreibfortschritt auf Twitter über den hashtag #schreibmonat mit und/oder tragen Sie Ihr Ergebnis auf der Online-Plattform ein, so können Sie auch sehen, wie viel Ihre Mitschreibenden geschafft haben
  • Lassen Sie nicht nach.

Durch die freundliche Unterstützung des Bibliothekszentrums Geisteswissenschaften können wir glücklicherweise allen Schreibenden einen Ort bieten, an dem man ungestört und in inspirierender Atmosphäre an seinem Schreibprojekt arbeiten kann. Im Gruppenarbeitsraum im 3. OG (Q1) können Sie zudem täglich ein Feedback auf Ihre Arbeit bekommen. Wir beraten Sie gern, wenn Sie Fragen zum (akademischen) Schreiben, zu geeigneten Schreibstrategien, Stil oder ähnlichem haben.

Auch unsere Kolleginnen und Kollegen aus einzelnen Fächern sind herzlich eingeladen, in der Bibliothek zu schreiben – vielleicht wird so manchem Studierenden dadurch bewusst, dass auch wir ‚Profis‘ denkend schreiben und schreibend denken, dass wir eine Diskursgemeinschaft bilden und dass auch wir Zeit und Sorgfalt (und idealerweise auch Feedback) brauchen, um gute Texte zu verfassen.

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Als Nachtrag sei an dieser Stelle auf zwei Angebote anderer Schreibzentren hingewiesen: In Bochum können Studierende während der Schreibwoche in den Semesterferien an ihren Hausarbeiten arbeiten und ein Feedback von den MitarbeiterInnen des Schreibzentrums bekommen (die im Übrigen auch selbst an Textprojekten sitzen – sehr lobenswert!). Daneben bietet das Schreibzentrum der Viadrina-Universität in Frankfurt/Oder die Möglichkeit, längere Texte in einem Schreibmarathon fertig zu stellen. Auch hier sorgt die Anmeldung und (freiwillige) Verpflichtung eine gewisse Textmenge zu produzieren dafür, dass die TeilnehmerInnen Schreibroutinen entwickeln. Meiner Kollegin Nora Peters möchte ich an dieser Stelle noch einmal für den freundlichen Hinweis auf diese beiden Angebote danken!

Das Lehrlabor

2 Mai

von Stephanie Dreyfürst

Am 25. April 2012 begann im Rahmen des Programms „Starker Start ins Studium“ an der Frankfurter Goethe-Universität  eine Workshopreihe, in der Lehrende geisteswissenschaftlicher Fächer verschiedene Methoden für schreibintensive Lehre kennenlernen können.

Das Programm des Lehrlabors, das im Sommersemester 2012 von meiner Kollegin Nadja Sennewald und mir gestaltet wird, setzt folgende Schwerpunkte:

1.) Methoden schreibintensiver Lehre

2.) Peer facilitated learning

3.) Portfolio in der Lehre

4.) Kollegiales Feedback und Erfahrungsaustausch

Aus den Rückmeldungen, die unsere Kolleginnen und Kollegen an unserem ersten Workshop Ende April gegeben haben, lassen sich einige hilfreiche Schlussfolgerungen ziehen. Viele der genannten Aspekte und Probleme der Studierenden sind aus schreibdidaktischer Sicht durchaus bekannt, dennoch ist das wiederholte Diskutieren über Schreibprobleme und -strategien sowie die damit verbundenen Konsequenzen für die eigene Lehrpraxis in den verschiedenen geisteswissenschaftlichen Disziplinen wichtig und hilfreich:

  • der Umstand, dass die VerfasserInnen von (akademischen) Texten unterschiedlich an eine Schreibaufgabe herangehen und diese mit Hilfe verschiedener Strategien bewältigen, ist als Erkenntnis nicht neu, aber vielleicht durchaus ungewohnt für viele Lehrende; zumindest wenn man diese unterschiedlichen Herangehensweisen als Bereicherung und Möglichkeiten begreift und nicht per se als falsch, wenn sie von der tradierten ‚Norm‘ (erst die Forschungsliteratur lesen, dann Fragestellung entwickeln, dann Gliederung erstellen, am Schluss einen eigenen Text verfassen) abweichen. So sorgt der ursprünglich vom Schreibzentrum der Viadrina-Universität in Frankfurt (Oder) entwickelte Schreibtypentest  (aus: Ulrike Scheuermann: Die Schreibfitness-Mappe. 60 Checklisten, Beispiele und Übungen für alle, die beruflich schreiben) stellenweise für erleichtertes und begeistertes Nicken oder – im Falle einiger Gesellschaftswissenschaftler – auch für besorgtes Kopfwiegen. Dass mit der Einteilung in verschiedene Schreibtypen kein Schicksal besiegelt und kein Schreibender abgeurteilt wird, muss vielleicht noch deutlicher hervorgehoben werden.
  • die Anforderung beim akademischen Schreiben, die für Studierende oft am schwersten zu erfüllen ist – nämlich eine gute wissenschaftliche Fragestellung zu entwickeln -, bietet auch in unseren Workshops für Lehrende viel Raum für Diskussion und Nachfragen. Praktische Übungen zur Themaeingrenzung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Fragestellung helfen hier weiter; auch für die ‚Standardsituation‘ Sprechstunde können einige unserer Arbeitsblätter Hilfestellung leisten, indem sie Ratsuchende dazu animieren, ihr Erkenntnisinteresse präziser zu formulieren und sich auf eine bestimmte Fragestellung festzulegen.
  • Schreibübungen wie das Freewriting oder das Clustering, die nur wenig Seminarzeit in Anspruch nehmen und kaum Aufwand erfordern, finden nicht bei allen Lehrenden den gleichen Anklang. Auch hier scheinen das eigene, seit Jahren erprobte Vorgehen bzw. individuelle Vorlieben oder Abneigungen gegen bestimmte Schreibaktivitäten ausschlaggebend dafür zu sein, ob eine bestimmte Übung als sinnvoll für die eigene Lehre angesehen wird. Eine Konsequenz aus den Workshops, die meine Kollegin und ich bisher zusammen gehalten haben, lautet deswegen, dass wir den Aspekt der Diversität noch stärker betonen müssen. Selbst wenn mir als Lehrender/m eine bestimmte Schreibübung nicht gefällt oder nur wenig Erkenntnisgewinn zu versprechen scheint, muss das nicht bedeuten, dass dies für meine Studierenden (Stichwort unterschiedliche Schreibtypen) ebenso der Fall ist. Eine ‚ideale‘ Lehre würde die Unterschiedlichkeit der möglichen Zugänge zum Schreiben insofern berücksichtigen, als dass verschiedene Strategien und Übungen im Seminar vorgestellt und praktisch erprobt würden. Nur wer Schreibübungen wie das Freewriting kennen gelernt (und zu verchiedenen Anlässen selbst ausprobiert) hat, kann merken, ob sich diese Technik als ergiebig und ‚zielführend‘ erweist – und sie dementsprechend auch für die eigene Schreib- und Denkarbeit einsetzen.
  • auf nachhaltiges Echo stießen bei den anwesenden KollegInnen auch die Übungen zu verschiedenen akademischen Argumentationsmustern – ein Thema, bei dem die meisten Lehrenden großen Nachholbedarf auf Seiten der Studierenden sehen. Dass eine überzeugende und stichhaltige Argumentation nicht einfach zufällig ‚passiert‘, sondern vom Schreibenden in seinem/ihrem Text erst hergestellt werden muss, überrascht viele SchreibanfängerInnen, weil sie aus der Schule und anderen Lernumgebungen gewohnt sind, Texte mehr auf deren Inhalt und weniger auf deren rhetorisch-argumentative Struktur hin zu lesen – und nun an der Universität gefordert sind, überzeugende Argumentationsmuster zu imitieren und eben auch selbst zu produzieren. Wie die tradierte Dreierstruktur These – Argument – Beispiel in heutigen Seminaren und den daraus entstehenden Texten mit Leben erfüllt werden kann, welche verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten von Argumenten denkbar sind, wieso man eine Schlussfolgerung auch einmal zur These machen kann, sind für einen großen Teil der Studierenden wichtige Fragen, wenn es darum geht, den (impliziten) Anforderungen an ‚gute‘ wissenschaftliche Texte Genüge zu tun.

 

  • immer wieder verblüffend ist für viele Lehrende unsere Erfahrung, dass Studierende (AnfängerInnen wie Fortgeschrittene) bereits mit kleineren und ‚typisch universitären‘ Textsorten wie der Mitschrift oder dem Exzerpt Schwierigkeiten haben können. Wenn jedoch beim Umgang mit Gehörtem oder Gelesenem bereits Probleme auftreten, fallen auch die weiteren Schritte beim versierten Umgang mit verschiedenen Informationsquellen und letztlich auch die Produktion eigener akademischer Texte schwer. Fragen, die Studierende immer wieder in unseren Veranstaltungen zum wissenschaftlichen Schreiben stellen, lauten: Wie komme ich vom gelesenen Forschungstext zur eigenen Aussage? Darf ich so etwas wie eine eigene Meinung haben? Wie kann ich mich sprachlich vom Original lösen? Wieviel Forschungsliteratur soll ich überhaupt zitieren? Wie soll ich das Wichtige mitschreiben, wenn ich nicht weiß, was wichtig ist?

Als Handreichung zum Thema Mitschrift dient hier ein Beitrag von Angelika Steets: „Die Mitschrift als universitäre Textart – schwieriger als gedacht, wichtiger als vermutet“, in: Ehlich, Konrad und Steets, Angelika (Hrsg.) (2003): Wissenschaftlich schreiben – lehren und lernen. Berlin, New York: Gruyter, S. 51-64.

Erfreulich gut funktioniert bis jetzt unser Konzept, die vorgestellten Übungen und Methoden ‚in situ‘ mit den anwesenden Kolleginnen und Kollegen auszuprobieren – auch wenn dies für einige eine arge Unterforderung darstellen muss (Stichwort Argumentationsmuster und PhilosophInnen, Eulen und Athen). Da wir jedoch die Bezeichnung Workshop ernst nehmen und davon überzeugt sind, dass man Methoden am besten kennen lernt, wenn man sie am eigenen Leib ausprobiert hat, werden wir auch in Zukunft unsere Schreibübungen praktisch vermitteln anstatt sie nur theoretisch vorzustellen. Insofern verstehen wir das Lehrlabor auch als einen Ort, an dem man gleichzeitig Lehrender und Lernender sein darf – selten genug gibt es an deutschen Universitäten Gelegenheiten, bei denen man sich fächerübergreifend über gute Lehre und verschiedene Methoden austauschen kann. Anregungen und Kritik zu unserer Workshopreihe nehmen wir jederzeit gerne auf den bekannten Kanälen entgegen.

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