Archiv | Juli, 2012

Der akademische „Schreibmonat“ am Frankfurter Schreibzentrum

4 Jul

von Stephanie Dreyfürst

Immer wieder hören wir von Studierenden, aber auch von KollegInnen an der Universität, dass ihnen die Zeit oder Motivation fehlt, gleichmäßig über einen längeren Zeitraum hinweg an größeren Schreibaufgaben zu arbeiten. Ob eine umfangreichere Hausarbeit, Dissertation, ein Artikel für eine Fachzeitschrift oder auch ein Roman, vielen fehlt im Alltag die Gelegenheit, geeignete Rituale und Schreibroutinen zu entwickeln, mit denen man größere Textmengen produzieren und anschließend auch überarbeiten kann. Wer sich jedoch allein mit einer unüberwindlich erscheinenden Schreibaufgabe konfrontiert sieht, dem kann leicht alle Lust auf das Schreiben vergehen. Oder sie/er plagt sich mit einem schlechten Gewissen und entwickelt den Wunsch, etwas am eigenen Schreibverhalten ändern zu wollen.

Vor diesem Hintergrund haben meine Kollegin Nadja Sennewald und ich beschlossen, dem guten Beispiel vieler amerikanischer und auch einiger deutscher Schreibzentren zu folgen und einen ganzen Monat im Jahr zum Schreibmonat zu erklären.

In den USA wurden im so genannten NaNoWriMo, dem National Novel Writing Month, zunächst v.a. kreative Schreibprojekte außerhalb universitärer Kontexte gefördert. Im Laufe der Zeit wurden jedoch auch Colleges und Publikationsorgane wie PhD2Published oder The Chronicle of Higher Education auf die Möglichkeiten aufmerksam, die ein solcher Schreibmonat für das akademische Schreiben eröffnet; seit November 2011 können sich Schreibende im Rahmen des Academic Writing Months (AcWriMo) eine gewisse Anzahl von Textseiten oder Wörtern als Ziel setzen, das sie innerhalb von vier Wochen erreichen wollen.

Im kommenden November also wird es für alle Interessierten am Schreibzentrum der Goethe-Universität verschiedene Angebote während des ersten Frankfurter Schreibmonats geben, was – so unsere Hoffnung – dazu beitragen wird, die jeweilige Schreibaufgabe erfolgreich anzugehen und abzuschließen.

Calendarium Perpetuum (Quelle: Wikipedia)

Calendarium perpetuum (Quelle: Wikipedia)

Angelehnt an die Regeln des akademischen Schreibmonats sollen die TeilnehmerInnen folgende ‚Regeln‘ befolgen:

  • Entscheiden Sie sich für eine bestimmte Anzahl von Wörtern, die Sie während des Schreibmonats bzw. an den Tagen, die Sie an Ihrem Projekt arbeiten, schreiben wollen
  • Erklären Sie öffentlich, dass Sie am Schreibmonat teilnehmen möchten; die entsprechende Plattform, auf der Sie dies (anonym) tun können, wird rechtzeitig bekannt gegeben
  • Entwickeln Sie schriftlich eine Strategie bzw. stellen Sie einen Plan für sich auf, wie Sie Ihr Ziel erreichen wollen (auch hier können Sie sich Unterstützung von uns holen, wenn Sie das möchten)
  • Teilen Sie Ihren Schreibfortschritt auf Twitter über den hashtag #schreibmonat mit und/oder tragen Sie Ihr Ergebnis auf der Online-Plattform ein, so können Sie auch sehen, wie viel Ihre Mitschreibenden geschafft haben
  • Lassen Sie nicht nach.

Durch die freundliche Unterstützung des Bibliothekszentrums Geisteswissenschaften können wir glücklicherweise allen Schreibenden einen Ort bieten, an dem man ungestört und in inspirierender Atmosphäre an seinem Schreibprojekt arbeiten kann. Im Gruppenarbeitsraum im 3. OG (Q1) können Sie zudem täglich ein Feedback auf Ihre Arbeit bekommen. Wir beraten Sie gern, wenn Sie Fragen zum (akademischen) Schreiben, zu geeigneten Schreibstrategien, Stil oder ähnlichem haben.

Auch unsere Kolleginnen und Kollegen aus einzelnen Fächern sind herzlich eingeladen, in der Bibliothek zu schreiben – vielleicht wird so manchem Studierenden dadurch bewusst, dass auch wir ‚Profis‘ denkend schreiben und schreibend denken, dass wir eine Diskursgemeinschaft bilden und dass auch wir Zeit und Sorgfalt (und idealerweise auch Feedback) brauchen, um gute Texte zu verfassen.

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Als Nachtrag sei an dieser Stelle auf zwei Angebote anderer Schreibzentren hingewiesen: In Bochum können Studierende während der Schreibwoche in den Semesterferien an ihren Hausarbeiten arbeiten und ein Feedback von den MitarbeiterInnen des Schreibzentrums bekommen (die im Übrigen auch selbst an Textprojekten sitzen – sehr lobenswert!). Daneben bietet das Schreibzentrum der Viadrina-Universität in Frankfurt/Oder die Möglichkeit, längere Texte in einem Schreibmarathon fertig zu stellen. Auch hier sorgt die Anmeldung und (freiwillige) Verpflichtung eine gewisse Textmenge zu produzieren dafür, dass die TeilnehmerInnen Schreibroutinen entwickeln. Meiner Kollegin Nora Peters möchte ich an dieser Stelle noch einmal für den freundlichen Hinweis auf diese beiden Angebote danken!

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